Ich nehme an, dass Sie überrascht sind, wenn ich Ihnen sage, dass auf unserer Golfanlage drei Arten von Orchideen wachsen.
Wenn ich mich recht erinnere, war es das Jahr 2003, als ich die erste Art entdeckte.
Der Breitblättrige Stendelwurz, Epipactis helleborine
Diese Art ist praktisch ein Spätzünder, da der Austrieb erst gegen Ende Mai erfolgt und die Blütezeit entsprechend spät im Juli und August liegt. Die Vermehrung erfolgt durch verschiedene Insektenarten sowie vegetativ (Rhizom). Kalkhaltiger Boden begünstigt das Vorkommen dieser Art. Obwohl sie bis zu 100 cm groß werden kann, wird sie oft übersehen. Das liegt an der Position der Blüte. Sie hängt nach unten, streckt sich uns also nicht entgegen wie bei Margerite und Tulpe. Die Form der Blüte ist eine Lippe, ohne jedoch zu den Lippenblütlern zu gehören. In Deutschland gilt der Bestand als ungefährdet, ist aber gemäß NSG „besonders geschützt“ und war die Orchidee des Jahres 2006.
Es war im Mai 2009, als ich die zweite Art entdeckte. Auf der Bahn 4 links, ca. 20 Meter vor der kleinen Brücke im Rough, fiel sie mir ins Auge. Eigentlich hatte ich sie ja gar nicht entdeckt, sondern mein Ball, der dort lag!
Die Bocks-Riemenzunge, Himantumglossum hircinum
Diese Orchidee fällt sofort auf, da die Pflanze bis zu 1 Meter heranwachsen kann und die Blüten sehr groß und auffällig geformt sind. Blütenform und der Duft der Blüte nach Ziegenbock gaben ihr den Namen. Die Bestäubung erfolgt durch Wildbienen. Der Austrieb der ersten Grundblätter erfolgt schon im Frühherbst nach dem Verblühen im Spätsommer. Allerdings blühen Orchideen nicht jedes Jahr. Erst 2021 habe ich den Austrieb an gleicher Stelle wieder entdeckt. Auf der „Rote Liste“ gefährdeter Arten in Deutschland wird sie in Kategorie 3 gelistet. In Hessen sogar in Kategorie 2 – stark gefährdet und ist somit vollkommen geschützt. Im Jahr 1999 wurde sie zur Orchidee des Jahres gekürt.
Last but not least - die dritte Art - entdeckt im Jahr 2018. Die Bienen-Ragwurz, Ophrys apifera
Diese Art gehört mit bis zu 50 cm zu den eher kleineren Arten. In Bezug auf Schönheit kann sie gut mit den anderen mithalten. Das zarte Rosa der Blütenblätter und die Form der Lippe mit der Zeichnung sind imposant. Diese Art benutzt eine besondere Art der Mimikry.
Durch ihr Aussehen und Duftstoffe täuscht sie vor, sie sei eine weibliche Biene und lockt damit männliche Bienen zur erhofften Kopulation an. Dabei bleiben Pollen an dem armen Kerl haften, die bei der nächsten Blüte zur Befruchtung führen. Allerding kommt es speziell bei dieser Art auch häufig zur Selbstbestäubung. Dabei werden die Pollen der Blüte mittels der Staubblätter auf den eigenen Stempel verbracht. Bei starker Trockenheit über längere Zeit reduziert sich die Anzahl der zur Blüte gelangenden Pflanzen deutlich. Die Bienen-Ragwurz gilt in Deutschland als ungefährdet, ist allerdings auch gemäß NSG besonders geschützt. Im Jahr 1995 war sie die Orchidee des Jahres.
Als ich vor 20 Jahren anfing, die Arten der Flora & Fauna im Golfclub zu fotografieren und systematisch zu erfassen, wäre ich nie auf die Idee gekommen, auf dem Golfplatz Orchideen zu vermuten und danach zu suchen. Wahrscheinlich ist es der interessierte, aufmerksame Blick von Menschen, die sich um Natur kümmern, dass ihnen manche Dinge auffallen, von denen andere gar nichts merken. Dieses und der Zufall haben letztlich dazu geführt, dass ich Ihnen jetzt davon berichten kann. Und vielleicht gibt es sogar noch die eine oder andere Art zu entdecken. Ich werde auf jeden Fall noch genauer hinschauen.







Gerd Hardt GOLF & NATUR TEAM
Foto Bienen-Ragwurz: Dr. Stefan Dröse Restliche Fotos: Gerd Hardt
Im März 2021
In Kooperation mit dem DGV e.V - Deutscher Golf Verband als Dachorganisation. In Zusammenarbeit mit Bundesamt für Naturschutz und Greenkeeper Verband Deutschland e.V. sowie der Deutschen Gesellschaft zur Zertifizierung von Managementsystemen. (DQS) Wissenschaftliche- und qualitätssichernde Begleitung durch Dr. Gunther Hardt.